65 Jahre Anwerbeabkommen: 2,6 Millionen Menschen in Deutschland haben eine türkische Einwanderungsgeschichte
Zum Jahrestag am 30. Oktober zeigt Destatis: 2,6 Millionen Menschen haben eine türkische Einwanderungsgeschichte, 48 Prozent von ihnen sind Deutsche.
Von Ressort Leben in Deutschland ·
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Das Wichtigste
- Rund 2,6 Millionen Menschen in Deutschland haben eine türkische Einwanderungsgeschichte, 3,2 Prozent der Bevölkerung; 1,5 Millionen von ihnen sind selbst eingewandert.
- Etwa 125.000 ehemalige Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter aus der Türkei lebten 2025 noch in Deutschland; sie waren im Schnitt 78 Jahre alt.
- 48 Prozent der Menschen mit türkischer Einwanderungsgeschichte besitzen die deutsche Staatsangehörigkeit, unter den in Deutschland Geborenen 74 Prozent.
- 61 Prozent der 15- bis 64-jährigen Eingewanderten aus der Türkei sind erwerbstätig, in der Gesamtbevölkerung dieses Alters 77 Prozent.
- 2025 wurden nach den endgültigen Zahlen 34.185 türkische Staatsangehörige eingebürgert, 52 Prozent mehr als im Vorjahr.
Am 30. Oktober 1961 vereinbarte die Bundesrepublik mit der Türkei die Anwerbung von Arbeitskräften. 65 Jahre später leben in Deutschland rund 2,6 Millionen Menschen mit türkischer Einwanderungsgeschichte, das sind 3,2 Prozent der Bevölkerung. Das geht aus ersten Ergebnissen des Mikrozensus 2025 hervor, die das Statistische Bundesamt (Destatis) am 29. Oktober 2026 zum Jahrestag veröffentlicht hat. Rund 1,5 Millionen von ihnen sind selbst eingewandert, rund 1,2 Millionen in Deutschland geboren. Damit stellen sie die größte Herkunftsgruppe unter allen Menschen mit Einwanderungsgeschichte.
Eine Einwanderungsgeschichte hat nach der Definition von Destatis, wer selbst seit 1950 nach Deutschland eingewandert ist oder wessen Eltern beide eingewandert sind. Unter den selbst Eingewanderten sind noch rund 125.000 ehemalige Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter, die zwischen 1961 und dem Anwerbestopp 1973 kamen. Ihr Durchschnittsalter lag 2025 bei 78 Jahren.
Familie als häufigster Grund
Die in der Türkei geborenen Eingewanderten leben im Schnitt seit 32,4 Jahren in Deutschland. 15 Prozent oder 216.000 von ihnen kamen in der Zeit des Abkommens von 1961 bis 1973, neben den Arbeitskräften auch deren Familien. Ein Drittel, 484.000 Menschen, zog zwischen 1974 und 1989 zu, als der Familiennachzug zunahm und seit den 1980er-Jahren auch mehr Menschen aus politischen Gründen Schutz suchten. 21 Prozent oder 307.000 Menschen sind erst seit 2014 gekommen. Bei ihrer Einreise waren die Menschen mit türkischer Einwanderungsgeschichte im Schnitt 19,6 Jahre alt.
| Hauptmotiv | Anteil | Personen |
|---|---|---|
| Familiäre Gründe | 64 % | rund 944.000 |
| Erwerbstätigkeit | 15 % | 218.000 |
| Flucht, Asyl, internationaler Schutz | 10 % | 146.000 |
| Bildung | 4 % | 55.000 |
| Sonstige Motive | 8 % | 110.000 |
Arbeit: seltener erwerbstätig, stark in einigen Berufen
Obwohl die Mehrheit vor allem aus familiären Gründen kam, gingen 2025 61 Prozent der 15- bis 64-jährigen Eingewanderten aus der Türkei einer Arbeit nach. In der gesamten Bevölkerung dieses Alters lag die Erwerbstätigenquote bei 77 Prozent. Menschen mit türkischer Einwanderungsgeschichte stellen insgesamt 3,5 Prozent aller Erwerbstätigen zwischen 15 und 64 Jahren, rund 1,4 Millionen Menschen. Überdurchschnittlich vertreten sind sie in Reinigungsberufen mit 9,8 Prozent, in Textil- und Lederberufen mit 6,7 Prozent und in der Metallerzeugung, Metallbearbeitung und im Metallbau mit 6,6 Prozent. In Berufen in Recht und Verwaltung, in Werbung und Marketing sowie unter Lehrkräften und Ausbildern liegt ihr Anteil bei jeweils 1,8 Prozent.
Fast jede und jeder Zweite ist Deutsche oder Deutscher
48 Prozent oder 1,28 Millionen der Menschen mit türkischer Einwanderungsgeschichte besitzen die deutsche Staatsangehörigkeit, allein oder neben einer anderen. Unter den selbst Eingewanderten sind es 28 Prozent, unter den in Deutschland geborenen Nachkommen 74 Prozent. Die übrigen 52 Prozent haben eine ausländische Staatsangehörigkeit, meist die türkische.
Die Zahl der Einbürgerungen ist zuletzt kräftig gestiegen. Nach den endgültigen Ergebnissen erhielten 2025 34.185 türkische Staatsangehörige die deutsche Staatsangehörigkeit, 52 Prozent mehr als 2024 (22.525); nur Syrerinnen und Syrer wurden häufiger eingebürgert. Sie lebten zum Zeitpunkt der Einbürgerung im Schnitt 24,1 Jahre in Deutschland. Destatis sieht einen wahrscheinlichen Zusammenhang mit dem modernisierten Staatsangehörigkeitsrecht, das seit Ende Juni 2024 gilt: Danach dürfen Eingebürgerte ihre bisherige Staatsangehörigkeit generell behalten. Zuvor galt der Grundsatz, Mehrstaatigkeit zu vermeiden. 2025 stellten zudem 53.772 türkische Staatsangehörige einen Antrag auf Einbürgerung.
Wo die Menschen leben
73 Prozent der Menschen mit türkischer Einwanderungsgeschichte wohnen in vier Ländern: in Nordrhein-Westfalen (32 Prozent), Baden-Württemberg (18 Prozent), Bayern (12 Prozent) und Hessen (10 Prozent). Gemessen an der Bevölkerung ist ihr Anteil in Bremen mit 6,6 Prozent am höchsten, vor Berlin mit 5,0 Prozent und Nordrhein-Westfalen mit 4,8 Prozent.
Das Abkommen mit der Türkei war nicht das erste: Die Bundesrepublik hatte bereits 1955 mit Italien und 1960 mit Spanien und Griechenland Anwerbeabkommen geschlossen. Am 23. November 1973 stoppte die Bundesrepublik die Anwerbung; Hintergrund war die Ölpreiskrise. Die DDR schloss ab 1963 eigene Abkommen über Vertragsarbeiter, zuerst mit Polen, 1980 etwa mit Vietnam. Aus den Anwerbeländern der Bundesrepublik und den Vertragsarbeiterländern der DDR lebten 2025 noch rund 455.000 ehemalige Arbeitsmigrantinnen und -migranten in Deutschland.
Grundlage ist der Mikrozensus, eine jährliche Stichprobe von rund 1 Prozent der Bevölkerung; alle Angaben stammen von den Befragten selbst. Erfasst sind Menschen in privaten Haushalten am Hauptwohnsitz, nicht in Gemeinschaftsunterkünften. Die Zahl der ehemaligen Gastarbeitenden ist eine Näherung aus Geburtsland, Zuzugsjahr und Zuzugsmotiv.
Quellen
- Pressemitteilung Nr. 377: 65 Jahre Anwerbeabkommen mit der Türkei: 2,6 Millionen Menschen in Deutschland mit türkischer Einwanderungsgeschichte Statistisches Bundesamt (Destatis), 29. Oktober 2026
- Pressemitteilung Nr. 186: 332 500 Einbürgerungen im Jahr 2025 Statistisches Bundesamt (Destatis), 3. Juni 2026
- Statistischer Bericht: Einbürgerungsstatistiken: Antragstellungen, Verfahrenserledigungen, Einbürgerungen, 2025 (endgültige Ergebnisse, aktualisiert am 21. August 2026) Statistisches Bundesamt (Destatis), 21. August 2026
Mit KI-Unterstützung recherchiert und verfasst, dann am 29. Oktober 2026 in einer separaten Prüfung mit den 3 oben genannten Quellen abgeglichen. Fehler entdeckt? Schreiben Sie uns.